Acht Brillen

8D

Udo Rehmann Von Udo Rehmann

25 Okt 3 min

Neulich hatte ich einen wirklich inspirierenden Moment. Wir sitzen als Familie nach dem Essen oftmals noch eine Weile am Tisch und unterhalten uns. Manchmal über Aufregendes und Nerviges aus der Schule, unsere nächsten Termine oder einfach über den neusten Sh*t. Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, aber WAS ZUM HENKER IST BITTESCHÖN 8D MUSIK? Als meine Kinder meinten, dass ich mir das unbedingt anhören muss, war auch schon ein Handy zur Stelle, Kopfhörer, YouTube geöffnet und mir wurde eine 8D Musik vorgespielt. 

Ich schlage euch genau an dieser Stelle vor, dieses Experiment zu machen. Also, holt euer Smartphone raus, stöpselt eure Kopfhörer ein, öffnet YouTube und tippt 8D Musik ins Suchfeld. Am besten funktioniert es mit geschlossenen Augen. Aber Vorsicht!!! Wem schnell schwindelig wird, sollte sich in jedem Fall hinsetzen und es vorsichtig portionieren. Vielleicht ist ein Eimer in der Nähe ratsam.

Wer kein Interesse hat, dem erkläre ich kurz, was um alles in der Welt 8D Musik ist: Diese Art von Musik ist durch Phasenregler, Equilizer und sicherlich noch andere soundprozessorische Dinge so abgemischt, dass der Eindruck entsteht, die Musik schwirrt um den Kopf herum. 8D steht für acht Richtungen (eight directions). Diese werden nacheinander unterschiedlich laut angesteuert, sodass ein irres Raumgefühl entsteht.

Nun saß ich da, mit geschlossenen Augen und irgendein sphärisches Audiogemisch umsäuselte meinen Kopf. Das war ein unglaublich inspirierendes Klangerlebnis. Zunächst schoss mir durch den Kopf, wie das denn um Himmels Willen funktionieren kann. Doch Sekunden später legte sich ein breites Grinsen über mein Gesicht und ich dachte: „Ist mir egal wie es funktioniert, das kapiere ich sowieso nicht. Ich genieße einfach dieses wunderbare Art Musik zu konsumieren.“

Diese Art und Weise Musik zu hören und wahrzunehmen (etwas schwindelig ist mir tatsächlich auch geworden), hat mich dann an ein Bibelwort erinnert, ein Psalm ging/schoss mir durch den Kopf:

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.“ (Psalm 139, 5-12) 

Zum allerersten Mal habe ich gespürt, was dieses „von allen Seiten umgibst du mich“ bedeutet. Ich kann es kaum in Worte fassen. Vielleicht so, als ob eine ganz abstrakte Form, die man nicht begreifen und beschreiben kann, sich zu einem wunderbaren Bild auflöst. Was vorher wie ein großes Chaos aussah, ergab plötzlich Sinn. Wie so ein 3D Bild, das man anstarren muss, damit sich eine Form aus dem Chaos abhebt, nur eben in 8D.

Gott ist da. Nicht nur einfach statisch zu meiner Linken, oder Rechten, vor mir oder hinter mir. Er ist da, auf eine ungeahnte, dynamische Weise um mich herum. Er kennt mich umfassend. Von der ersten Sekunde bis zum letzten Atemzug und sogar noch weiter. Im Leben und im Sterben. Er sieht mich im Scheinwerferlicht und wenn ich mich verstecken möchte. Und das alles irgendwie gleichzeitig. 

Ich entdeckte dann noch etwas in dieser dynamischen und lebendigen 8D Musik. Sie wird immer an unterschiedlichen Stellen laut. Aus unterschiedlichen Perspektiven wirkt die Musik auf mich. So ist es auch mit Gott. Zumindest in meinem Leben. Ich nehme ihn ganz unterschiedlich war. Manchmal ertönt Gott aus einer Richtung, aus der ich ihn lieber nicht hören will. Ich bin richtig verärgert, wenn das so ist, weil ich nicht wahrhaben will, dass Gott auch solche Töne anschlägt. Dann höre ich ihn wieder sehr nah, freundschaftlich, gütig und im nächsten Moment ganz weit weg, fern und fremd. Manchmal so, dass es schmerzt, wie ein tiefer Verlust. Bis mich dann wieder aus einer ganz neuen Richtung Töne erreichen, die etwas von Mut, Auferstehung und „Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt“ erklingen lassen.

Gott ist zwar immer derselbe, aber es hört sich eben nicht immer im Leben so an. Für mich war diese 8D Musik inspirierend und ich freue mich schon auf den nächsten neuen Sh*t, den mir meine Kinder zeigen werden.