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Acht Brillen

Das Rudel

Von Jason Querner

25 Apr 3 min

Meine Vorfreude steigt! In ein paar Tagen ist es wieder soweit. Immer um den 1. Mai findet das „Rudeling“ statt – ein Wochenende unter Weggefährten.

Wir sind zehn Männer und haben uns vor neun Jahren in Marburg in der Ausbildung zum Erzieher und Gemeindepädagogen kennengelernt. Was uns verband, war die Einteilung in den Kurs 1a. Gleich zu Beginn unserer Ausbildung wurde unser Kurs auf erlebnispädagogische Tage geschickt.

Für uns Männer war schon im Vorfeld klar, dass wir, wenn möglich, in einem Zimmer schlafen wollten – dass ein 10-Bett-Zimmer total unrealistisch ist, war uns bewusst. Wir Männer brauchten für uns diese teambildende Maßnahme gar nicht, denn irgendwie waren wir schon ein Team. Die begleitende Dozentin meinte zu uns, dass wir ein Rudelverhalten an den Tag legen würden. Das kennt sie sonst nur von Frauen. Seitdem sind Tobi, Samuel, Basti, Stephan, Daniel, Hutch, Jan, Chris, Mario und ich das Rudel. Eine Nacht hielten wir es in der unbeheizten Hütte aus, die man uns extra zur Verfügung gestellt hatte. Dann zogen wir in getrennte, aber beheizte Räume um.

Recht bald etablierten wir unser zweiwöchentliches Treffen am Donnerstagabend. Man könnte es Hauskreis nennen, wir nannten es Rudeling (abgeleitet vom Entthing). Wir starteten mit Biographieabenden. Jeder erzählte im Prinzip einen Abend lang, warum er so ist, wie er ist. Das half einander zu verstehen und wertzuschätzen. Denn wir waren/sind keineswegs homogen. Im Gegenteil, unsere Verschiedenheiten waren oft genug Anlass für Konflikte oder Frust. Dennoch haben wir es immer geschafft, die anderen in ihrer Eigenart zu akzeptieren und letztlich auch zu lieben. Vor allem wohl deshalb, weil sich jeder selbst seiner Unvollkommenheit, seiner Eigenartigkeit und dem Geschenk trotzdem angenommen zu sein, bewusst war. Das wurde in den Biographieabenden deutlich. Wir alle hatten kleinere und größere Brüche im Leben, haben uns geöffnet, fanden Zuhörer, Mitwisser und Unterstützer. Alles was dort gesagt wurde, blieb dort. Das gab uns Sicherheit.

Diese heilsame Erfahrung entflammte die Diskussion unseren Kreis für weitere Männer zu öffnen, um ihnen das Gleiche zu ermöglichen. Wir entschieden uns letztlich dagegen, weil eben diese Exklusivität erst eine Tiefe und ein Vertrauen ermöglichte.

Natürlich bestanden unsere Treffen nicht nur aus ernstem Austausch. Unser heiliges Miteinander lebt bis heute aus der bunten Mischung von Austausch, Bier, Gebet, Fleisch, Aktivität, der Bandbreite menschlicher Emotionen und vielem mehr.

In den drei Jahren unseres zweiwöchentlichen Rudelings lernten wir auch immer mehr voneinander und inspirierten uns gegenseitig. Unsere Verschiedenheit ermöglichte Horizonterweiterungen im Glauben, Denken und in praktischer Hilfsbereitschaft. Nähe unter Männern war für einige etwas Neues. Dafür waren Bühnenauftritte mit eigenen Songs oder Übernachtungen im Wald für andere etwas, das sie ohne das Rudel wohl nie gemacht hätten.

Seitdem treffen wir uns einmal jährlich zum Rudeling für ein ganzes Wochenende, aber auch bei Hochzeiten oder anderen Gelegenheiten. Viele sind verheiratet und haben mittlerweile Kinder. Jeder entwickelt sich weiter. Deshalb sind unsere gemeinsamen Treffen auch immer ein Balanceakt. Natürlich rutscht man schnell in alte Rollen. Doch gleichzeitig gibt es auch den Raum und die Offenheit diese Veränderungen wahr- und anzunehmen. Es ist schön einander zu begleiten. Manche spreche ich nur einmal im Jahr. Mit anderen habe ich fast wöchentlich Kontakt.

Das Rudel ist für mich eine der spürbarsten Gottesoffenbarungen in meinem Leben. Dafür bin ich sehr dankbar. Deshalb ist es mir ein Herzensthema Männer zu ermutigen, sich in Männerfreundschaften zu investieren, verbindlich zu sein, sich verletzlich zu machen und die zig verschiedenen Seiten des Mannseins zu entdecken, zu feiern und zu lieben.