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Acht Brillen

If Beale Street could talk

Von Maria Hofmeister

18 Apr 1 min

Vor kurzem war ich im Kino und habe „If Beale Street could talk“ gesehen. Verfilmt von Barry Jenkins basiert der Film auf dem gleichnamigen Buch von James Baldwin, welches ich mit großer Begeisterung gelesen habe. Der Film hat mir das Buch viel nähergebracht und ich bin ins Nachdenken über einige Dinge gekommen.

Erzählt wird die Liebesgeschichte von Tish (sie ist 19) und Fonny, (er ist 22) die 1974 in Harlem in New York spielt. Beide kennen sich schon seit ihrer Kindheit, es ist also fast logisch, dass sie ein Paar werden. Beide haben eine dunkle Hautfarbe und sind dadurch massivem Rassismus ausgesetzt, dem sie versuchen zu trotzen. Eines Tages wird Fonny verhaftet. Der Vorwurf lautet Vergewaltigung. Die Verhaftung passiert aufgrund bloßer Willkür und Bosheit des Polizisten, Das Opfer kann sich nicht an den Täter erinnern. In einer Gegenüberstellung identifiziert sie Fonny, der aber trotz der Unschuld im Gefängnis landet. Bald darauf stellt Tish fest, dass sie schwanger ist.

Nun könnte man denken: wie soll das denn ausgehen? Genau darin offenbaren Buch und Film ihre große Stärke: es geht um Menschlichkeit und trotz der Tragik ist es durchdrungen mit Gnade. Film und Buch erzählen eine ehrliche Liebesgeschichte. Nicht nur Tish wächst im Kampf darum, Fonny aus dem Gefängnis zu holen, über sich hinaus. Es ist auch eine unkonventionelle Liebesgeschichte über Familien, die zusammenhalten (müssen), über Selbstliebe. Darüber, sich selbst als würdig zu erachten, in einer Welt, die es nicht tut. Und mitten darin entsteht ein neues Leben. Probleme werden nicht ausgeblendet, sie werden pragmatisch angegangen, realistisch eingeschätzt. Das Leben wird bestätigt – so wie es eben ist.

Tief bewegende Kunst ist es geworden, der Film untermalt von großartiger Musik.

Ich finde mich wieder in den Polen zwischen Wut auf die Missstände und dem Versuch sich darin ein würdiges Leben aufzubauen. Und in der Hoffnung, dass es weitergeht, auch wenn es vielleicht anders kommt, als gedacht.