Acht Brillen

Untrennbar

Udo Rehmann Von Udo Rehmann

06 Sep 3 min

 

Vielleicht mache ich mich jetzt zum Vollpfosten, aber wenn ich mich richtig an meinen Chemieunterricht erinnere, dann ist gefilterter Kaffee eine Lösung, die man physikalisch nicht mehr trennen kann. Du kannst bis in alle Ewigkeit warten. Daraus wird nie wieder Kaffeepulver und Wasser.

Eigentlich erstaunlich, dass es Verbindungen gibt, die untrennbar sind. Egal wie viel Energie man aufwendet. Sie können nicht getrennt werden. Das sprengt meine Vorstellungskraft.

Wahrscheinlich gibt es eine Möglichkeit diese Lösung wieder in die ursprünglichen oder zumindest in andere Stoffe zu zerlegen. Irgendein chemisches Trennverfahren wird es schon geben. Am Ende werden aber wahrscheinlich alle Teile zerstört und man könnte danach daraus keinen Kaffee mehr machen.

Mich inspiriert ein Satz, den Paulus vor fast 2000 Jahren aufgeschrieben hat, wie kaum ein anderer in der Bibel. Er schreibt den Gemeindeleuten in Rom etwas über eine untrennbare Liebe zu uns Menschen: „Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch unsichtbare Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch gottfeindliche Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Römer 8,38+39 – NGÜ)

Vor Jahren habe ich dazu mal dieses Video der Skitguys entdeckt. Es ist nur auf Englisch, aber eigentlich versteht man allein wegen der Mimik, was dort passiert. Vielleicht soviel als Einführung: Der eine kommt mit der Bibel zu seinem Pastor und bittet ihn um die Antwort auf die Frage, was uns von der Liebe Gottes trennen kann, damit er sie in seiner Kleingruppe den anderen mitteilen kann. Viel Spaß!

 

Zweifellos

 

Mich inspirieren diese beiden Kerle. Sie haben so eine wunderbare Ausstrahlung und bringen anderen biblische Inhalte auf unterhaltsame Art und Weise nahe.

Aber, ist es denn wirklich wahr, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann? Wenn ja,...

...über welche Themen würden wir in unseren Gemeinden reden,

wenn die Grundlage wäre, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann?

...auf welche Art und Weise würden wir das Evangelium verkündigen, wenn es wahr wäre,

dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann?

...würden Moralapostel noch einen Platz in unseren Reihen finden?

...wie würde Mission in unseren Gemeinden aussehen, wenn wir wüssten, dass Gott sich untrennbar zu seinen Menschen stellt?

...welche konfliktreichen Situationen wären noch unüberwindbar, wenn wir tatsächlich glaubten und verinnerlicht hätten, dass uns nichts von Gott trennt?

...wie viele Kirchen würde es auf dieser Welt geben, wenn wir annehmen würden, dass es nichts Kostbareres gibt als die untrennbare Liebe, die uns in Christus verheißen ist?

...würde sich unsere Willkommenskultur verändern, wenn die Grundlage ist, dass Gottes Liebe keine Ausgrenzung kennt?

...wem würden wir unsere Hilfe verweigern, wenn sich die Liebe Gottes niemandem verweigert?

Ich träume ja nur. Paulus meint das bestimmt ganz anders. Und wie Gott es meint, weiß ich ja erst Recht nicht. Aber schön wäre es schon! Wenn die Liebe, die ja bekanntlich Gott selbst ist, sich untrennbar mit uns Menschen und zwar mit allen Menschen, verbunden hätte. Unlösbar verquickt!

Naja, wir werden einmal sehen wie diese Liebe sich in der Ewigkeit zeigt.

Und trotzdem habe ich einen Traum:

Dass wir eines Tages in unseren Gemeinden nicht mehr darüber streiten, wer die Bibel richtig auslegt, sondern es bereichernd und spannend finden, was wir einander für Perspektiven öffnen können, weil jeder durch seine Brille die Bibel liest.

Dass wir in unseren Gemeinden eines Tages keine Evangelisationsveranstaltungen mehr abhalten müssen, und nur spezielle Predigerinnen und Prediger das Evangelium einladend weitersagen können. Einfach weil jede und jeder von uns das Evangelium von der untrennbaren Liebe Gottes in Jesus Christus im Herzen trägt und uns davon der Mund übergeht, wenn wir Menschen treffen, die Jesus noch nicht kennen.

Dass eines Tages in jeder Gemeinde alle Willkommen sind, weil es in der untrennbaren Liebe Gottes in Jesus Christus es weder Mann noch Frau, weder Juden noch Heiden, weder Sklaven noch Freie gibt (Gal 3,28). Und alle eins sind in Christus!

Dass eines Tages in unseren Gemeinden Barmherzig groß und durchsetzungskraft klein geschrieben wird.

Eines Tages, da bin ich mir sicher, wird mein Traum in Erfüllung gehen. Bis dahin gucke ich mir noch ein paar Mal die Skitguys an, trinke dabei einen guten gefilterten Kaffee und lasse mir immer wieder sagen, dass die richtige Antwort auf die Frage, was mich von der Liebe Gottes trennen kann, "Nothing" ist.