Acht Brillen

Vom Lesen als Gottesdienst

Oder: wie Lesen meinen Blick schärft

Von Maria Hofmeister

08 Mai 2 min

Lesen und ich – das gehört zusammen. Irgendwie und auch beeinflusst durch meinen Großvater habe ich schon immer gerne gelesen. Mich daran zu erinnern, wann es nicht so war – es geht kaum.

Lesen ist reisen, ohne dafür die Koffer zu packen.

Oft werde ich dafür belächelt, oft aber auch bewundert, wie viel ich lese. Es ist meine DNA, vom Schöpfer eingelegt.

Bücher sind für mich Begleitung auf meinem Lebensweg, sie öffnen Horizonte, das Herz und erweitern das Denken. Sie verbinden mich mit meinen Freund*innen: das Teilen von Empfehlungen, Leseerfahrungen austauschen, geteilte Meinungen. Eine meiner engsten Freundinnen beeinflusst mich sehr. Nach dem Austausch mit ihr steigt meine Leseliste rapide an. Und das ist wunderbar. Die Entwicklung meiner Brille treibt es auch voran.

Wenn ich davon höre, welches Buch wie welchen Menschen geprägt hat, ist das zugleich ein tieferes Kennenlernen, das mich anspricht. Mit einem Buch verbinde ich eine Berührung, die in Worten auszudrücken kaum möglich ist. Oder ein Bekannter, der mir liebevoll vorwirft, dass ich seine Abende versaue, da eine meiner Empfehlungen ihn mitnimmt. Langes Austauschen auf Whats-App mit Freund*innen, Schicken von aktuellen Lesefotos.

Durch ein Buch bin ich fünf Monate nach der Lektüre im Libanon gewesen. Andere verbinde ich mit Lebensphasen. Das erste Mal „Herr der Ringe“ lesen – welch ein Erlebnis. Ein anderes Jugendbuch beschäftigt sich mit dem Rassismus der Polizei in den USA und wie gerade afro-amerikanische Jugendliche davon betroffen sind.

In loser Reihenfolge möchte ich auf diesem Blog Bücher vorstellen, die mich geprägt haben, von denen ich leuchtende Augen bekomme, die ich mit meinem Glauben verbinde.

Das sind nur teilweise Bücher von christlichen Autor*innen. Ich bin tief überzeugt davon, dass in jedem Menschen etwas vom Schöpfer angelegt ist und nicht nur christliche Autor*innen etwas zu sagen haben.

Lieber lese ich, als dass ich in den Gottesdienst gehe. Warum? Glaube ist für mich Freiheit und kein Zwang. Ich mag liturgische Gottesdienste. Das Lesen ist aber für mich Gottesdienst, da es mir Welten eröffnet, die mir sonst verschlossen bleiben. Gerade Romane machen empathisch. Sich in verschiedene Sichtweisen einzudenken, diese kennenzulernen, mehr zu lernen, es im Leben anwenden, zu reifen, wütend über Missstände sein, von denen man noch nie gehört hat, Innenansichten erleben, etwas ändern – das ist etwas, womit ich Gott in Verbindung bringe. Das lässt meinen Glauben reifen, das lässt mich reifen. Und das bin ich.

Bücher verändern – der Glaube auch. Eine perfekte Verbindung.