Acht Brillen

Where no man has gone before!

Captain Kirk, der Pharao & Gott. Eine Suche zwischen Glaube, Geschichte und Science-Fiction

Mirko Thiele Von Mirko Thiele

04 Okt 5 min

Foto der Milchstraße 19zu9
Bildquelle: Mirko Thiele

Wir schreiben das Jahr 2287. Captain Kirk macht sich mit der Crew der USS Enterprise auf, um einige große Fragen der Menschheit ein für alle Mal zu klären. Gibt es Gott? Und wenn ja, wo steckt er? Captain Kirk begibt sich auf eine Suche, die schon viel früher von einer Person angestoßen wurde, von der wir es wahrscheinlich am wenigsten erwarten – dem Pharao von Ägypten. Ich glaube, dem Pharao wäre einiges erspart geblieben, wenn er am Ende seiner Suche denselben Schluss gezogen hätte wie Kirk.* 

Doch fangen wir am Anfang an – geschätzt im Jahr 1230 v. Chr. Mose und Aaron treten vor den Pharao, um die Freilassung der Hebräer aus der Sklaverei zu verlangen. Sie behaupten, sie hätten einen dem Pharao unbekannten Gott auf ihrer Seite, der die Ägypter hart strafen würde, wenn die Hebräer nicht gehen dürfen. 

Der Pharao steckt in einer Zwickmühle. Einerseits sieht er nicht ein, auf Grundlage dieser bloßen Behauptungen auf so viele Sklaven zu verzichten. Andererseits möchte er es sich mit diesem neuen Gott, der ihm da vorgestellt wird, nicht verscherzen. Zumindest nicht, wenn der real und mächtig ist.

Genau das muss er rausfinden! Und so wird der Pharao zum ersten Menschen, von dem die Bibel berichtet, dass er sich „systematisch“ überlegt, wie man Gott finden und woran man ihn erkennen kann. Er ist überzeugt: Wenn Gott ein echter Gott ist, muss er göttliche Dinge tun können. Sachen, die außerhalb menschlichen Könnens und Verstehens liegen und die die schon bekannten ägyptischen Götzen nicht auch fertigbringen. 

Ein einfacher Test soll helfen. Mose und Aaron sollen ihr Anliegen und ihren Gott legitimieren, indem sie etwas tun, was Menschen und den ägyptischen Göttern unmöglich ist – ein noch nie da gewesenes Wunder. Zur Qualitätssicherung bestellt der Pharao seine besten Magier und Wissenschaftler ein – sie sollen überprüfen, ob das Wunder wirklich Werk eines unbekannten, mächtigen Gottes ist, oder doch nach bisherigem Kenntnisstand erklärbar.

Und so läuft der Test dann ab (vgl. 2. Mose 7, Verse 10, 11, 20, 22 & 23)**: 

10 Sie gingen zum Pharao, und Aaron warf seinen Stab vor ihm und den Hofbeamten auf den Boden. Der Stab verwandelte sich in eine Schlange. 11 Da ließ der Pharao seine weisen Männer und Zauberer rufen. Mit Hilfe ihrer Magie vollbrachten sie genau dasselbe. [...]

20 Vor den Augen des Pharaos und seiner Hofbeamten erhob Aaron seine Hand mit dem Stab und schlug in den Nil. Da wurde das Wasser zu Blut. […] 22 Doch die ägyptischen Zauberer konnten mit ihrer Magie dasselbe bewirken, und so blieb der Pharao starrsinnig. […] 23 Er drehte sich um und ging in den Palast zurück, ohne die Warnung ernst zu nehmen.

Das Ergebnis: Der Gott, von dem Aaron und Mose berichten, besteht den Test nicht. Er ist kein Gott, mit dem der Pharao rechnen müsste. Was Aaron und Mose in seinem Namen tun, ist zwar beeindruckend, aber offensichtlich auch für die Magier des Pharaos machbar.

Doch irgendwas ist bei dem Test schiefgelaufen. Als der Pharao die beiden Männer nicht ernst nimmt, kommt die Ägypter das teuer zu stehen. Der Gott, der sich zuvor nicht mächtiger erweist, als das, was der Pharao schon kennt, macht alle seine Ankündigungen wahr. Seuchen, Ungeziefer, Unwetter, der Tod eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung, die komplette Vernichtung seiner Elitetruppen ...

Wie konnte es soweit kommen? Nun, dem Pharao ist bei seinem Test ein kleiner Denkfehler unterlaufen. Er verlässt sich bei der Suche nach dem Göttlichen auf menschliche Kriterien, die ihm sagen: Gott findet man jenseits dessen, was wir schon verstehen und kontrollieren können. Dort, wo der eigene Verstand, die Wissenschaft und die falschen Götter nicht mehr weiterhelfen, dort hat Gott sich zu offenbaren. Und zwar NUR da. Auf die Idee, dass ein Gott, der selbst das Unvorstellbare beherrscht, erst recht das „Menschenmögliche“ tun kann, kommt er nicht. Diese Annahme macht den Pharao blind für Gott, obwohl er direkt vor seiner Nase handelt. 

Ich frage mich, ob es uns vielleicht manchmal genau so geht? Erlauben wir Gott auch, nur da zu sein, wo unsere eigenen Möglichkeiten begrenzt sind, unser Verstehen aufhört und unsere falschen Götter die Waffen strecken müssen? Dadurch wird Gott tatsächlich sehr schwer zu finden, denn der Bereich um uns herum, den wir verstehen und sogar beherrschen können, ohne Gott dafür als Erklärung zu benötigen, wird ständig größer! Und damit der Bereich, in dem Gott dann noch stecken könnte, scheinbar kleiner.

Wir sind auf dem Mond gelandet, wir haben Sonden außerhalb unseres Sonnensystems geschickt, wir haben den menschlichen Gen-Code geknackt, wir können Krankheiten heilen, die Menschen zur Zeit des Pharaos getötet hätten. Wir können sogar Antimaterie herstellen und 2287 wird Captain Kirk mit einem Raumschiff in das Zentrum der Galaxie fliegen! Wo ist da noch Platz für Gott? 

Vielleicht sollten wir Gott nicht da suchen, wo wir ihn vermuten, sondern an dem Ort, von dem er selbst deutlich macht, dass er sich gerne dort aufhält. 

Wenn ich mir die Bibel anschaue, insbesondere die Passagen, an die wir uns an Weihnachten, Ostern und Pfingsten erinnern, zeigt Gott klar, wo dieser Ort ist: Nicht außerhalb unserer Grenzen, sondern ganz NAH BEI UNS. Captain Kirk wird es am Ende seiner äußerst erfolglosen Suche nach Gott auf den Punkt bringen: „Maybe he’s not out there, Bones. Maybe he’s right here. In the human heart.“ – Vielleicht ist er nicht da draußen. Vielleicht ist er hier drinnen. In unseren Herzen. (https://youtu.be/Aj8PlGMPZ1U?t=48s)

Ist er die ganze Zeit da und wir suchen nur am falschen „Ort“!? 

Natürlich existiert und wirkt Gott auch weit jenseits der Grenze dessen, was wir verstehen oder beherrschen. Aber wir glauben an den Moment, in dem Gott durch ein Kind in einer Krippe unmissverständlich deutlich macht, dass wir diese Grenze unseres Könnens und Verstehens nicht durchbrechen müssen, um ihn zu finden. Weil sie schon durchbrochen wurde.

Von der anderen Seite.

Von IHM.

Weil er es mag, wenn wir ihm nahe sein können.

Unser Verstand kann das nicht begreifen. Unser Herz schon. 

 

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* Obwohl das alles erst in der Zukunft passieren wird, könnt ihr euch schon jetzt anschauen, wie Captain Kirk versuchen wird, Gott zu finden! Der Film heißt Star Trek V – Am Rande des Universums. Der Film erhält von Kennern der Materie eher durchschnittliche Bewertungen, ist aber trotzdem unterhaltsam.  

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